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Das neue Museum für Instrumente – ein Heim für Klaviere

Im Dezember eröffnet ein neues Museum für Instrumente in Rybinsk. Im Nordosten Moskaus haben heimatlose Klaviere in einem Busdepot ein neues Zuhause gefunden.

Die Idee für das Museum

Die Idee für das“ Heim für Klaviere“ kam dem Pianisten Pjotr Aidu, während er auf der Suche nach einem Instrument für sich war. Die Vielfalt der historischen Flügel und Klaviere, die ihm in Kulturhäusern oder auch Privatwohnungen begegnete, begeisterte ihn. Allerdings spielt heute auf den Instrumenten, die in Intelligenzija-Familien über Generationen ihren festen Platz hatten, oft keiner mehr. Daher werden die schönen, geschichtsträchtigen Stücke häufig aus Platzmangel entsorgt. Ein Umstand, dem Aidu nicht weiter tatenlos zusehen konnte.

Seine Leidenschaft für alte Klaviere entwickelte Aidu während seines Studiums der „historischen Aufführungspraxis“ beim Pianisten Alexei Lubimov am Moskauer Konservatorium. Seine Sammlung alter Flügel und Klaviere umfasst mittlerweile ca. einhundertzwanzig Instrumente. Fast alle wurden im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert gebaut. Mit Lubimov und dem Klavierrestaurator Alexej Stawizki trug er eine Kollektion zusammen, die von 2012 bis 2017 in einer ehemaligen Fabrikhalle in Moskau zu sehen war. Jetzt eröffnet Stawizki mit den wertvollsten Stücken im Dezember das neue Museum in Rybinsk.

Piotr Aidu
Pjotr Aidu an einem historischen Flügel, Bildquelle: https://peteraidu.livejournal.com/18808.html

Viele deutsche Klavierbauer

Die mit individuellen Schnitzereien sowie Kerzenhaltern aus Messing verzierten Instrumente verströmen den Charme der damaligen Zeit. Weiterhin sind die vorwiegend deutschen Herstellernamen auffallend. Diese schmücken als verschnörkelte Intarsien die Instrumente. Viele der geschichtsträchtigen, von deutschen Klavierbauern gefertigten Stücke, werden in dem neuen Museum ausgestellt. Leider ging die Vielfalt dieser historischen Instrumente durch die Standardisierung im späten neunzehnten Jahrhundert verloren. Umso mehr ist die Eröffnung des Museums ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der damaligen Handwerkskunst und Kultur.

Antikes Klavier aus dem Jahr 1800

Die alten Klaviere – ein Beweis der deutsch-russischen Kulturgeschichte

Von Anfang an waren deutsche Klavierbauer in Russland bekannt für ihre hervorragenden Flügel. Zum Beispiel eröffnete der aus dem Herzogtum Braunschweig stammende Instrumentenbauer Friedrich Diederich im Jahr 1810 die erste Klavierwerkstatt in St. Petersburg. Bis zur Oktoberrevolution im Oktober 1917 produzierte die Familie dort Flügel auf höchstem Niveau.

Unbedingt zu erwähnen sind auch die Flügel von Johann August Tischner, der sogar auf der ersten Ausstellung russischer Manufakturwaren in St. Petersburg 1829 eine Silbermedaille für eines seiner Klaviere erhielt. Mihail Ivanovic Glinka begann seine Karriere als Komponist mit einem Tischner-Flügel und auch Lubimov kann ein Original sein eigen nennen.

Die besten Flügel ihrer Zeit

Die besten Konzertflügel ihrer Zeit stammten allerdings von dem Augsburger Klavier- und Orgelbauer Karl Josef Friedrich Wirth. Wirth lebte zwischen 1830 und 1853 in St. Petersburg. Während einer Konzerttournee durch Russland hörten zum Beispiel auch Robert Schumann und seine Frau Clara Wirths-Instrumente. Sie waren so begeistert, dass sie einen seiner Flügel erwarben. Ebenso sind Aidu und Lubimov stolze Besitzer eines seiner handgefertigten Klaviere.

Als Wirth zurück nach Deutschland ging, übernahm die Firma von Jakob Becker die Marktführerschaft. Becker, ein aus der Pfalz nach St. Petersburg gezogener Klavierbauer, baute erstmals Flügel mit Eisenrahmen. Diese machten seine Instrumente haltbarer und gut stimmbar. Zudem belieferte er das St. Petersburger und das Moskauer Konservatorium. Ein prominenter Liebhaber seiner Flügel war z.B. Peter Tschaikowsky.

Der Stolz der Sammlung

Die größte Innovation schaffte allerdings die Firma C. M. Schröder. Erstmals verarbeitete sie gusseiserne Rahmen und stählerne Basssaiten, die den Instrumenten einen bisher noch nicht dagewesenen reinen, vollen Klang verliehen. Zudem konnte die Fertigungsmenge aufgrund der neuartigen Produktionsmethode erhöht werden: 325 Mitarbeiter produzierten 1200 Instrumente pro Jahr. C. M Schröder belieferte den Zarenhof und übernahm 1903 sogar den Konkurrenten Becker. Die Flügel der Firma C. M. Schröder sind der Stolz der Sammlung des Museums in Rybinsk. Bereits Franz Liszt, Nikolai Mjaskowski und Anton Rubinstein waren überzeugte Besitzer eines Flügels der Marke Schröder.

Die Zerstörung der Kultur

Der 1. Weltkrieg und die Oktoberrevolution waren ursächlich für die Zerstörung der über viele Jahre gewachsenen Kultur. Die deutschen Klavierbauer verließen Russland und ihre Fabriken wurden nationalisiert. So machte die Sowjetmacht z.b. aus dem Werk der Firma C. M. Schröder eine auf Zupfinstrumente spezialisierte Fabrik und gründete u.a. aus Resten der Firma der Diederichs-Brüder den staatlichen Klavierhersteller „Roter Oktober“. Dieser hingegen kam an die Qualität der bisher in Russland gefertigten Klaviere nicht heran. Daher bezog Sowjetrussland nach dem Zweiten Weltkrieg seine Qualitätsflügel vorzugsweise aus der DDR und Estland.

Das Restaurationshandwerk lebt wieder auf

Auch heute noch erschwert lt. Stawizki das Fehlen einer hochwertigen Produktion das Restaurationshandwerk. Umso mehr freut sich der Experte für alte Instrumente, dass die Stadt Rybinsk ihm Räume für ein Klaviermuseum mit angeschlossener Werkstatt zur Verfügung stellt. Hier will er sein Handwerk wieder aufleben lassen. Das Museum wird am 7. Dezember seine Türen erstmals öffnen und uns auf eine Zeitreise der besonderen Art mitnehmen.

Altes Klavier
Bildquelle: https://peteraidu.livejournal.com

Auf einer Reise nach Moskau oder bei einer Flusskreuzfahrt von Moskau nach St. Petersburg können Sie die Hauptstadt der Russischen Föderation bzw. die altrussischen Städte an Newa, Swir und Wolga näher kennen lernen.